Mein Kurbericht (2)

Beim ersten Teil habe ich nur die Vorgeschichte erzählt und bin stehen geblieben ab dem Zeitpunkt, als wir Thüringen erreicht haben. Also nun weiter im Text:

Ich parkte mein Auto auf dem unbefestigten Seitenstreifen der Zufahrt auf dem Kurgelände (richtige Parkplätze waren nicht vorhanden) und schaute mich erstmal um. Eigentlich machte alles einen netten Eindruck. Ziemlich viel grün, schöne hohe Bäume, mehrere kleine Spielgeräte, ein schönes altes Schloss neben dran…

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Aber wo musste ich hin? Beim Rumsuchen entdeckte ich einen Briefkasten auf dem Gelände, was ich ziemlich praktisch fand =) und kurz danach fand ich ein kleines Schild mit der Aufschrift „Zur Anmeldung“. Endlich. Ab in diese Richtung.

Es ging bergauf und dann über eine Brücke. Ich trat in die Tür ein und gleich rechts befand sich die Rezeption. Ich stand erstmal da und sah mich im dem Haus um, welches ich gerate betreten hatte. Es war ein komisches Gefühl dort zu stehen und zu wissen, dass dies nun mein „Zuhause“ für die nächsten 3 Wochen werden würde. Begrüßt wurde ich nicht, also machte ich den ersten Schritt und ging zur Rezeption und stellte uns 2 vor. Sie kramten in den Unterlagen und als sie meinen Namen auf der Liste fanden begrüßten sie uns auch. Klugerweise hatte ich die Unterlagen und das Geld (Pfand für den Schlüssel) bereits eingesteckt und konnte dies sofort abgeben. Danach wurde ich noch nach dem Gesundheitszettel für den Goldkäfer gefragt, aber ich musste ehrlich gestehen, dass ich keine Ahnung hatte wovon sie sprachen.
Irgendwann später suchte ich in meinen Mails (Da alles so spontan lief, erhielt ich meine Unterlagen nur per Mail. Das waren so ungefähr 10 Anlagen dabei und diese ist mir einfach durchgerutscht…) und wusste dann zwar was sie meinten, aber trotzdem wurde ich in diesem Moment etwas blöd von der Seite angemacht…

Na gut sie haben ihren Ärger runtergeschluckt und ich meine Empörung über diesen Empfang und die Praktikantin zeigte uns den Weg zu unserem Zimmer.
Wir wurden ins 2. Untergeschoss geführt. An der Tür war mit einem Dymo unsere Namen angebracht. Das fand ich süß. Die Praktikantin führte uns dann noch in der kleinen Wohnung rum und erklärte einiges dazu und übergab mir die Schlüssel, bevor sie uns alleine ließ.

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Tja und dann stand ich dran, wie bestellt und nicht abgeholt. Ich hatte in der einen Hand einen noch nicht ganz 1,5 Jährigen Sohn und meine Koffer waren unten auf dem Parkplatz. Also packte ich mein Kind und lief zum Auto, fuhr es hoch vor die Brücke zur Rezeption (da war zum Glück gerade Platz) und fing auszuladen. Wie schon erwähnt, war mein Sohn bzw. ist es noch recht jung und läuft natürlich noch nicht in die Richtung, die ich vorgebe und schon 3x mal nicht, wenn er irgendwo neu ist. Da ist die Neugier viel größer. Ich musste aber das Auto baldmöglichst wegfahren, damit der nächste ausladen konnte. Somit blieb mir nichts anderes übrig, als ihn auf der einen Seite in der Hüfte zutragen und in der anderen Hand den Koffer zutragen. Ich war sehr enttäuscht, dass NIEMAND (ich rede hier nur vom Personal, denn da standen genug) auf die Idee kam mir zu helfen. Denn wie ich euch ja erzählt habe bin ich schwanger… Jetzt wisst ihr warum ich euch das zuerst erzählt habe, bevor ich mit dem Berichten über die Kur anfangen konnte…

So lief ich nun ein paar mal hin und her, immer in das 2. Untergeschoss, zwar zum Glück mit Aufzug, aber dennoch etwas nervig… Ich fuhr das Auto wieder zum Parkplatz – andere Mütter werden dies verstehen: schwanger, schleppen, Kind anschnallen, Kind abschnallen, fahren, schleppen, Kind anschnallen, Kind abschnallen. Aber gut wie gesagt, das sind räumliche Voraussetzungen, da schimpft man nicht drüber, weil man es eh nicht ändern kann, aber es hätte einfach mal jemand helfen können. Das ist meines Erachtens wirklich nicht zu viel verlangt.

Gut…war dass endlich geschafft, habe ich kurz den Koffer vom Goldkäfer ausgepackt und den Wickelbereich vorbereitet (es war ein Tisch mit einer Wickelauflage darauf).

Dann war die Hose von meinem Sohn voll und ich wechselte natürlich seine Windel und machte alles sauber. Dann wollte ich Hände waschen gehen und stellte fest, dass keinerlei Seife vorhanden war. Also wusch ich mir die Hände mit Wasser, ging zu meinem Koffer holte mein Duschgel und wusch mir damit die Hände. Ich bin kein Sauberkeitsjunkie, aber eine Seife beim Händewaschen finde ich schon wichtig.
Später erkundigte ich mich mal, warum es keine Seife auf den Zimmern gab. Es gäbe viele Unverträglichkeiten und deswegen würden sie keine Seifen mehr zur Verfügung stellen. Ist ja super einleuchtend und kann ich absolut nachvollziehen, aber warum schreibt man dann nicht diesen kleinen Stichpunkt auf den Mitzubringen-Zettel mit drauf? Dann hätte ich einfach eine mitgebracht und alle wären glücklich gewesen…

Ok ihr merkt wahrscheinlich, dass ich mich an Kleinigkeiten aufhing, aber kennt ihr das Gefühl, wenn ihr schon so angespannt und abgenervt seid, dass euch wirklich jede Kleinigkeit dermaßen gegen den Stich geht???

Ich will euch nun nicht mit jeder Kleinigkeit nerven. Ich zähle einfach ein paar Sachen auf und Mütter mit so kleinen Kindern (oder Kindern, die sich vielleicht noch an die Zeit erinnern) werden mich sicherlich verstehen.

  • Es gab nur kleine offene Schränke – keinerlei Ablagefläche, wo der Goldkäfer nicht rankam. Gerade im Bad -.-* (z.B. Toilettenpapier)
  • kein Brett beim „Wickelplatz“ auf dem man die Wickelutensilien verstauen hätte können. Ich glaube die Stichwörter FEUCHTTÜCHER und CREME reicht aus, damit die meisten mich verstehen.
  • Die Schränke hatten keine Sicherung, so dass wir jeden Tag mindesten einen eingezwickten Finger hatten.
  • Die Heizung konnte nur kalt oder Sauna und der Boden war immer so arschkalt, dass ich mir sogar eine Blasenentzündung holte…
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Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte oder!?

Ok ich denke das reicht an Meckerei… Für den ersten Tag.

Ich bin wirklich keine pingelige Frau, aber von einem Haus, welches sich als Mutter-Kind-Kur bezeichnet und Kinder ab dem Alter von einem halben Jahr aufnimmt, habe ich einfach mehr erwartet. Tja, wenn die Erwartungshaltung zu hoch ist und man einfach enttäuscht ist…

Das Kinderhaus hatte am ersten Tag geöffnet, damit man sich das Haus und das Personal schon mal anschauen kann. Also sind wir dorthin gestiefelt und haben es uns kurz angeschaut. Ein sehr kleines, aber nett eingerichtetes Haus. Der Goldkäfer fand gleich was zum Spielen und ist zum Glück ja auch wirklich unkompliziert. Er war gleich der Sonnenschein.

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Bei der Krippe hatten wir zum Glück keine Probleme und er ging gern dorthin.

 

Dann war es auch schon Zeit zum Abendessen und wir haben unsere Tischnachbarn kennengelernt. Wir waren der junge Tisch. Mein Goldkäfer war mit einem Abstand von einem 3/4 Jahr der Jüngste. Das heißt die anderen waren etwas über 2 Jahre. Ich hatte Glück und auch die Muttis waren noch recht jung und wirklich lieb. Wir haben uns eigentlich gleich recht gut verstanden, obwohl man allen die Anstrengungen des Tages angesehen hat.

Dann ging es für den Goldkäfer ins Bett und ich sank auf meinem Bett zusammen und fing kräftig an zu weinen, weil ich ein solches Heimweh hatte…

Nach einer bescheidenen Nacht fing der Tag für uns recht früh an. Die meisten Eltern werden mich für diese Enthüllung jetzt wahrscheinlich hassen, aber mein Sohn geht um 19 Uhr ins Bett, schläft durch bis meistens so um 9 Uhr. Auf Kur läuft der Hase natürlich etwas anders da gab es Frühstück nur von 7:30-8:30. Ihr könnt euch nun vorstellen, wer immer als letztes beim Frühstück war (außer ich hatte bereits eine Anwendung). Aber dies geschah schon etwas unter Stress.

Außerdem kommt jetzt noch das vorletzte große Gemeckere, was aber auch an den räumlichen Umständen liegt:

Wir wurden in dem Haupthaus untergebracht. Zu den Mahlzeiten mussten wir in ein anderes Haus genannt Schloss und das Kinderhaus war in nochmal einem ganz anderen Haus, welches nur durch einen kleinen steilen Abhang erreichbar war – mit einem Laufanfänger die Hölle. Irgendwann habe ich es aufgegeben und das Kind nur noch mit dem Kinderwagen von A nach B gebracht. Somit hieß es immer: Kind an, nächstes Haus, Kind aus, nächstes Haus, Kind an, nächstes Haus, Kind aus… Ihr könnt es euch bestimmt vorstellen…

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Aus dem Haupthaus fotografiert und ganz rechts seht ihr das Kinderhaus. Das Schloss liegt auf der anderen Seite des Haupthauses.

ABER das Essen war immer sau lecker. Zum Frühstück und Abend gab es immer Buffet und zum Mittagessen wurden die Mamas bedient, soweit es dem Personal möglich war.
Es gab immer frisches Obst und Gemüse. Also das Essen hat es mir dort wirklich angetan… schmatz wenn ich heute noch daran denke!

So dann hat man am ersten Tag die Begrüßung und in den ersten Tagen ein paar allgemeine Therapien, wie Sporttherapie und Gruppentherapie, sowie das ärztliche Aufnahmegespräch und die Anamnese.

Im ärztlichen Aufnahmegespräch wäre es um die Therapien gegangen, die man sich vorgestellt hat, aber als Schwangere ist dies relativ langweilig. Entweder autogenes Training oder autogenes Training. Nachdem ich sagte, dass dies nichts für mich sei, hat der Arzt gemeint man könnte es noch mit der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson versuchen, aber nur, wenn man den Bauch auslässt, aber wir versuchen erstmal das autogene Training, hat er gemeint… ihhhhh

Aber wer weiß, vielleicht ist es hier ja ganz ok, waren meine Gedanken… Doch nach der ersten Stunde wusste ich, dass ich da niemals mehr hingehen werde…

Um das ganze jetzt etwas abzukürzen: Im Allgemeinen fand ich Kur nur anstrengend.

Ich habe mich keinesfalls erholt. Ich wollte jeden Tag mehr Heim. Ich durfte kaum Therapien machen, aber mein Therapieplan war voll mit Sachen, die ich in diesem Moment sicherlich nicht gebrauchen konnte und die mich meine Ziele kein Stück näher gebracht haben, eher im Gegenteil. Ich bin teilweise aggressiv geworden… natürlich nicht meinem Kind gegenüber – nein, sondern so innerlich. So kochend vor Wut, weil das ganze für mich so sinnlos war und man den Kindern spätestens ab der 2. Woche angemerkt hatte „jetzt reicht es“ und das lag nicht nur an mir, sondern es ging mehreren so.

Als ich dies im ärztlichen Zwischengespräch sagte, war die Krankenschwester ganz entsetzt und wunderte sich, denn sie meinte, dass man es mir nicht angemerkt hätte.
Tja so bin ich, ich mache jeden Scheiß mit und wenn der Ort und die Zeit dafür ist, gebe ich meine Meinung schonungslos wieder. Das spiegelte sich auch in meinem Abschlussbericht wieder, der wesentlich schlechter ausgefallen war…

Ich kann bis heute nicht genau sagen, woran es gelegen ist, aber ich habe für mich gelernt, dass ich NIEMALS mehr schwanger und mit Kleinkind auf irgendeine Art Kur gehen werde. Ob ich sowas überhaupt wiederholen werde, steht in den Sternen.

Schwanger wirst du behandelt wie ein rohes Ei und mit dem Kleinkind macht es einfach keinerlei Freude, wenn der Kurort gleich so gegen null dafür ausgerüstet ist, obwohl er es zu meinen scheint…

Vielleicht habt ihr ja ein paar schöne Kurgeschichten für mich? Ich würde mich freuen, wenn ihr diese mit mir teilt, damit ich mein negatives Kurbild vielleicht etwas gerade rücken kann.

So jetzt reicht es wirklich! Ich hab mich genug abreagiert. Es fiel mir wirklich schwer diesen Bericht zu schreiben und ich hoffe vor lauter Gemotze konntet ihr ihn überhaupt lesen und verstehen was ich überhaupt genau meine…
Ich denke es ist ziemlich schwierig nachzuvollziehen, wenn man nicht dabei gewesen ist!?

Aber da ich es hasse mit etwas schlechtem abzuschließen möchte ich diesen Bericht mit ein paar Bildern beenden, die zeigen, dass es auch schöne Momente gab! Es waren nicht mal wenig, aber diese hatten dann nichts mit der Kur direkt zu tun, sondern mit dem drumherum, mit den anderen Mamas und Kindern, intensive Zeit für mein Kind, und so weiter.

Ja ich hatte auch noch Geburtstag in dieser Zeit…

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